HAMBURGER LEICHTATHLETIK VERBAND

Talentsichtung und Talentförderung im Hamburger Leichtathletik-Verband


Der Hamburger Sportbund (HSB) verfolgt mit seinem Talentprogramm das Ziel, ein integriertes und sportartübergreifendes Sichtungs- und Förderungssystem für die Hansestadt zu etablieren, das Vorbildcharakter für ganz Deutschland haben kann. Hierfür hat die Schulbehörde 2012 flächendeckende Tests mit dem Hamburger Parcours an den 2. Klassen der Hamburger Grundschulen eingeführt. Dieses Testverfahren erfasst die motorischen Fähigkeiten (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Koordination) der Kinder in einem kleinen Zeitfenster. Es handelt sich dabei um einen komplexen Test auf Zeit, bei dem Bewegungsaufgaben mit unterschiedlichen Informationsanforderungen und Bedingungen nacheinander schnell und präzise zu lösen sind. Dadurch kann aktuelles und objektives Bild der sportlichen Begabung ermittelt werden.
Kinder, die bei der Sichtung als sportlich begabt eingestuft werden, bekommen die Möglichkeit, einmal wöchentlich in einer sogenannten Talentaufbaugruppe zu trainieren. Das Training in den Talentaufbaugruppen dient als Grundlage für eine langfristig angelegte und systematische sportliche Entwicklung. Im Schuljahr 2011/2012 nahmen über 800 Kinder in 59 Talentaufbaugruppen an dem Programm teil (45 Schul- /14 Vereinsgruppen). Mittelfristiges Ziel ist die flächendeckende Ausweitung auf 120 sportartübergreifende Trainingsgruppen an den 226 staatlich geförderten Grundschulen Hamburgs.
Im Anschluss an die sportartübergreifende Ausbildung in den Talentaufbaugruppen sollen die Kinder nachhaltig in den verschiedenen Sportarten weiter gefördert werden. Hierzu erfolgt die Vermittlung der Jungen und Mädchen aus den Talentaufbaugruppen in geeignete Sportangebote der Vereine und Verbände, in die sogenannten Talentfördergruppen. Um zu definieren, in welcher Sportart die besten Chancen auf spätere leistungssportliche Erfolge bestehen, wird ein weiteres Verfahren angewendet. Mit Hilfe eines sportmotorischen Tests und Körpermessungen werden die Fähigkeiten der Kinder differenziert aufgezeigt. Alle Ergebnisse werden in einer eigens entwickelten Datenbank erfasst, so dass langfristige Entwicklungen verfolgt werden können.
Seit dem Sommer 2010 beschäftigt der Hamburger Leichtathletik-Verband (HLV) einen hauptamtlichen Landestrainer im Bereich der Talentsichtung und Talentförderung, um die vorgenannten Inhalte und Ziele in enger Kooperation zu realisieren. Ermöglicht wurde dies im Rahmen der Bezuschussung dieser Trainerstelle durch die Stiftung Leistungssport Hamburg. Mit der Fortschreibung des Leistungssportförderkonzeptes 2011/2012 hat der HLV sein Sichtungs- und Kadersystem neu ausgerichtet und optimiert. Kernpunkt ist die Bildung von regionalen Stützpunkten und die dezentrale Einrichtung von vier U12 Talentfördergruppen.
In diesen Talentfördergruppen trainieren zum einen die Kinder, die über die Talentaufbaugruppen des HSB in die Leichtathletik vermittelt werden, zum anderen Kinder, die im Rahmen eigener HLV-Sichtungsveranstaltungen ausgewählt wurden. Neben der Zielsetzung, ein altersgerechtes Training anzubieten, steht die Bindung der Talente an die Sportart Leichtathletik sowie eine zeitnahe Vermittlung in die, dem jeweiligem Stützpunkt zugeordneten Vereine, im Vordergrund. Hierzu ist ein Bewerbungsverfahren als HLV-Stützpunktverein durchgeführt worden. Anforderungen an die Vereine betreffen u. a. das Trainingsangebot, die Trainingsbedingungen und die Trainerqualifikationen.
Der Verband leitet die Vermittlung der Kinder in die Stützpunktvereine aus den Talentaufbau- und Talentfördergruppen, sowie direkt aus den verschiedensten Sichtungsveranstaltungen. Die Ergebnisse der HLV-Sichtungen mittels eines sportmotorischen Tests werden ebenfalls in einer eigens entwickelten Datenbank dokumentiert. Dieser Test ist dem des Hamburger Sportbundes angeglichen bzw. baut auf ihm auf.
Ein Sichtungsschwerpunkt ist der Sprintwettbewerb RAPIDO für die Jahrgangsstufe 5 mit Klassenausscheiden an der jeweiligen Schule und zentralem Halbfinale und Finale. Im Jahr 2012 nahmen erstmals über 3000 Kinder teil. Diese Maßnahmen wird ebenfalls von der Stiftung Leistungssport Hamburg unterstützt. Weitere Angebote sind sogenannte Sichtungstage an umliegenden Schulen im Einzugsgebiet der Vereine, die Unterstützung bei der Bildung von Kooperationen Schule/Verein sowie Hilfestellungen bei der Erweiterung der Trainingskonzeptionen. Ein weiterer Sichtungsschwerpunkt ist die Auswertung der leichtathletischen Schulwettkämpfe, denen in Hamburg ein hoher Stellenwert zukommt. Im letzten Jahr konnten eine Reihe „Quereinsteiger“ für die Sportart nachhaltig gewonnen werden.
Mit Beginn des Schuljahres 2011/2012 ist zwischen dem HLV und der Heinrich-Hertz-Schule (HHS) ein Kooperationsvertrag geschlossen worden. Die HHS ist mit knapp 1500 Schülern eine der größten Schulen Hamburgs. Wegen ihres vielfältigen Angebots, ihrer guten Verkehrsanbindung und ihres schönen Schulgeländes direkt am Stadtpark (und damit zur Jahnkampfbahn und der Leichtathletik-Trainingshalle) ist sie sehr nachgefragt.
Die HHS ist eine Stadtteilschule mit Schnellzug. Das Ziel des Schnellzuges ist das Abitur nach 12 Jahren, das Ziel der Stadtteilschule ist nach dem mittleren Abschluss in Klasse 10 das Abitur nach 13 Jahren. Ab 2011 ist zu dem bereits bestehenden Sportprofil Leichtathletik der Klassen 5/6 eine Leistungsklasse Leichtathletik eingerichtet worden, die sich aus gesichteten Kindern des Hamburger Sportbundes und des Hamburger Leichtathletik-Verbandes zusammensetzt. Ziel ist das Erreichendes des Abiturs nach 13 Jahren, um den Anforderungen von Schule und Sport gleichermaßen gerecht zu werden.
Bereits nach dem ersten Jahr war eine deutliche Belebung und Bereicherung der Hamburger Leichtathletik durch die systematische Talentgewinnung festzustellen. Es wird zukünftig zunehmend darauf ankommen, die Vereine so zu stärken, dass die Vielzahl der talentierten Kinder entsprechend weiterentwickelt werden können. Ein Schwerpunkt ist dabei in einer Intensivierung der Traineraus- und Fortbildung sowie der Trainerberatung zusehen.
Im Jahr 2012 hat in dem Zusammenhang ein Leichtathletik-Kongress für LehrerInnen und TrainerInnen in Zusammenarbeit zwischen dem HLV und dem Fachausschuss Leichtathletik stattgefunden. Die Neustrukturierung der C-Trainerausbildung in einen Eingangskurs mit HLV-Zertifikat zum/zur Trainerassistenten/Trainerassistentin und einem sich anschließenden Ausbildungskurs zum/zur C-Trainer/Trainerin Leistungssport hat sich bewährt und wird gut angenommen.
Hamburg, Februar 2016

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